Ernst Dieter Berninghaus

Was ist KI? Chancen und Risiken im Alltag einfach erklärt

Close-up of a person using a smartphone with various app icons visible on the screen in soft natural light.

 Was ist KI und wie prägt sie bereits heute unseren Alltag? Eine 2024 durchgeführte Umfrage von Public First zeigt ein gespaltenes Meinungsbild: Nur etwa ein Drittel der über 2.000 befragten Erwachsenen glaubt, dass KI ihr Leben persönlich verbessern wird, während nahezu ebenso viele keine Auswirkungen sehen und rund ein Fünftel sogar mit negativen Folgen rechnet. Zudem nahm die Besorgnis über KI im Vergleich zum Vorjahr spürbar zu. Dennoch nutzen wir KI täglich, oft ohne es zu bemerken. In diesem Artikel erkläre ich dir, was ist künstliche Intelligenz, was ist generative KI und wie funktioniert sie im Grunde. Darüber hinaus beleuchte ich die wichtigsten Chancen und Risiken von KI in unserem Alltag.

Was ist KI einfach erklärt? Definition und Grundlagen

Um KI zu verstehen, müssen wir zunächst die Grundlagen klären. Dabei stösst man schnell auf ein Problem: Es gibt keine einheitliche Definition von künstlicher Intelligenz. Der Grund liegt darin, dass selbst der Begriff „Intelligenz“ nicht eindeutig definiert ist.

Was ist künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz bezeichnet Informationssysteme, die kognitive Fähigkeiten des Menschen wie Lernen, Wahrnehmung und Kreativität nachahmen. Die EU-KI-Verordnung definiert ein KI-System als maschinengestütztes System, das für einen unterschiedlich autonomen Betrieb ausgelegt ist und aus erhaltenen Eingaben ableitet, wie Ausgaben wie Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erstellt werden.

Im Gegensatz zu normalen Computerprogrammen arbeitet KI mit Mustern statt starren Anweisungen. Während ein gewöhnlicher Computer sein Programm exakt ausführt, lernt KI aus riesigen Datenmengen und erkennt darin Muster.

Dabei unterscheiden wir zwischen schwacher und starker KI. Schwache KI konzentriert sich auf eine bestimmte Aufgabe, für die sie trainiert wurde. Sprachmodelle wie ChatGPT nutzen schwache KI, um Text zu produzieren. Starke KI hingegen könnte alle kognitiven Fähigkeiten nachahmen und neuartig denken. Diese existiert bisher nicht, und es bleibt unklar, ob sie jemals real werden könnte.

Was ist generative KI?

Generative KI ist eine spezialisierte Form der schwachen KI, die neue Inhalte wie Text, Bilder, Audio oder Videos erzeugen kann. Sie lernt aus riesigen Datensätzen, erkennt Muster und zieht Schlussfolgerungen aus diesem Wissen. Du beschreibst eine Idee in Alltagssprache und erhältst in Sekunden eine Visualisierung.

Anders als klassische KI-Anwendungen analysiert generative KI nicht nur bestehende Daten, sondern erstellt neue, originell wirkende Inhalte. Die technologische Basis bilden grosse Sprachmodelle, die aus umfangreichen Datensätzen Muster erkennen und dieses Wissen nutzen, um realistische, kontextbezogene Inhalte zu generieren.

Wie funktioniert KI? Die wichtigsten Prinzipien

KI wird mit Daten „gefüttert“, die sie nach bestimmten Kriterien analysiert und sortiert ausgibt. Algorithmen sind die einfachste Form von KI, vergleichbar mit einem Kuchenrezept: Schritt für Schritt wird angegeben, welche Zutaten man braucht und wie der Vorgang abläuft.

Beim maschinellen Lernen trainiert ein Algorithmus selbstständig, eine konkrete Aufgabe immer besser zu lösen. Mit jedem Durchgang werden die gewonnenen Daten ausgewertet und der Lösungsweg verbessert.

Neuronale Netze sind von Nervenzellenverbindungen im Gehirn inspiriert. Sie bestehen aus mehreren Reihen von Datenknoten, die mit gewichteten Verbindungen untereinander vernetzt sind. Durch Wiederholung lernt das Netz, Daten exakter einzuordnen, indem die Gewichtung zwischen den Neuronen-Schichten angepasst wird.

Deep Learning nutzt neuronale Netze mit verdeckten Neuronen-Schichten, die Hunderttausend oder Millionen Schichten aufweisen können. Damit lassen sich komplexere Probleme lösen.

Wo begegnet uns KI im Alltag? Praktische Beispiele

KI ist längst Teil unseres Alltags, selbst wenn wir sie nicht immer bewusst wahrnehmen. Sie steckt in Geräten und Diensten, die wir täglich nutzen.

KI in Smartphone und Smart Home

Smartphones nutzen KI für zahlreiche Funktionen. Galaxy AI von Samsung bietet Echtzeit-Übersetzungen während Telefongesprächen, wandelt Sprachaufzeichnungen in Text um und trennt dabei sogar nach einzelnen Sprechern. Der Foto-Assistent füllt schiefe Bildränder automatisch auf, während der Chat-Assistent beim Verfassen von Nachrichten und E-Mails hilft. Googles Gemini und Apples Apple Intelligence bieten ähnliche Funktionen für Bildbearbeitung und Texterstellung.

Im Smart Home lernen KI-Systeme aus unserem Nutzungsverhalten und passen Funktionen an unsere Bedürfnisse an. Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant steuern vernetzte Geräte per Sprachbefehl. Intelligente Zähler überwachen den Energieverbrauch und schlagen Anpassungen vor, etwa automatisches Dimmen in ungenutzten Räumen. Sicherheitskameras unterscheiden dank Deep Learning Menschen von Haustieren und erkennen verdächtiges Verhalten.

KI bei Streaming und Social Media

Streamingdienste analysieren unser Verhalten mit Deep Learning und maschinellem Lernen. Netflix erstellt Heatmaps über Nutzeraktivitäten und platziert Inhalte gezielt. Die Algorithmen berücksichtigen Genre-Präferenzen, Lieblingsschauspieler und sogar virale Trends in Echtzeit. Spotify nutzt Machine Learning-Algorithmen für personalisierte Playlists basierend auf Hörgewohnheiten.

Social-Media-Plattformen setzen algorithmische Empfehlungssysteme ein, um Nutzende möglichst lange online zu halten. Je länger die Verweildauer, desto mehr Werbung wird angezeigt. KI unterstützt beim Community Management, generiert Antworttexte und analysiert grosse Datenmengen für Muster und Trends.

KI in Medizin und Gesundheit

KI analysiert Röntgenbilder, CTs und MRTs auf kleinste Auffälligkeiten und erkennt Tumore oft schneller als das menschliche Auge. Die Trefferquote beim frühzeitigen Aufspüren von Lungenkrebs liegt bei etwa 88 Prozent. In der Pathologie dient KI als systematische Zweitmeinung und erkennt Muster in digitalisierten Gewebeschnitten. Chatbots unterstützen Ärzte bei Routineaufgaben wie Arztbriefen oder Patienteninformationen und sparen dadurch Zeit.

KI im Beruf und in der Bildung

KI automatisiert zeitaufwändige Aufgaben wie Datenverarbeitung, E-Mail-Sortierung und Berichterstellung. Sie analysiert historische Daten für Vorhersagen zu Umsatzentwicklungen oder Personalbedarf. In der Bildung ermöglicht KI individualisiertes Lernen durch personalisierte Lernpfade. Schulen nutzen bereits KI-Tools, etwa für automatisierte Korrekturen handschriftlich ausgefüllter Aufgaben per Smartphone-Scan.

Chancen von KI: Die wichtigsten Vorteile für den Alltag

Die Vorteile von künstlicher Intelligenz zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen. Hier sind die wichtigsten Chancen, die KI für unseren Alltag bietet.

Zeitersparnis durch Automatisierung

Als grössten Vorteil von KI nennen 46,7 Prozent der Befragten Zeitersparnis. KI übernimmt wiederkehrende Aufgaben im Büro und Haushalt. Routineaufgaben wie Datenverarbeitung oder automatische Staubsauger entlasten uns, sodass wir uns auf kreative Aufgaben konzentrieren können.

Bessere Entscheidungen durch Datenanalyse

KI-Algorithmen erkennen Muster, Trends und Zusammenhänge in strukturierten und unstrukturierten Daten. Sie ermöglichen fundierte Entscheidungen auf Basis datengestützter Erkenntnisse. Echtzeit-Anomalieerkennung identifiziert Produktionsfehler oder Betrugsversuche frühzeitig.

Mehr Sicherheit im Strassenverkehr und Zuhause

KI-Systeme in autonomen Fahrzeugen lassen sich nicht vom Smartphone ablenken und ermüden nicht. Sie erfassen andere Verkehrsteilnehmer und Hindernisse, verhindern frühzeitig Gefahrensituationen und wählen bei Staus alternative Routen. In sicherheitskritischen Bereichen erkennen KI-Systeme Abweichungen in Echtzeit.

Personalisierte Empfehlungen und Services

71 Prozent der Verbraucher erwarten personalisierte Inhalte von Unternehmen. KI analysiert Nutzerverhalten und erstellt massgeschneiderte Produktempfehlungen für Millionen gleichzeitig. Schnell wachsende Unternehmen erzielen durch Personalisierung 40 Prozent mehr Umsatz.

Unterstützung bei Gesundheit und Pflege

In der Schweiz konnte ein gelähmter Mann dank KI-gestützter Behandlung nach 12 Jahren wieder gehen. KI entlastet Pflegepersonal bei administrativen Aufgaben und verschafft mehr Zeit für menschliche Zuwendung. Intelligente Systeme überwachen Vitalfunktionen kontinuierlich und informieren bei Auffälligkeiten das Personal.

Risiken von KI: Herausforderungen und Gefahren

Neben den Chancen birgt KI erhebliche Risiken, die unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen stellen.

Datenschutz und Privatsphäre in Gefahr

KI-Chatbots speichern alle Eingaben und übermitteln sie zur Auswertung an Entwickler, oft auf Server im Ausland. Nutzer geben Namen, Standorte oder Geschäftsgeheimnisse preis, ohne dass viele wissen, dass diese Daten gespeichert werden. KI kann sogar anonyme Online-Profile echten Personen zuordnen. Wenige Details genügen der KI, um vorherzusagen, wie sich jemand verhält.

Vorurteile und Diskriminierung durch Algorithmen

KI-Modelle werden auf Daten trainiert, die oft Vorurteile und Diskriminierung beinhalten. Gesichtserkennungssoftware erkennt Menschen mit nicht-weisser Hautfarbe schlechter und führte zu falschen Festnahmen. Algorithmische Systeme bevorzugen bei Bewerbungen „einheimische“ Lebensläufe oder benachteiligen Kandidaten mit Auslandsstudium.

Deepfakes und Manipulation

Deepfake-Verfahren ermöglichen die Erstellung täuschend echter Videos und Audiodateien mit vergleichsweise wenig Aufwand. In den USA imitierte ein KI-generierter Anruf Präsident Biden und forderte Wähler auf, zu Hause zu bleiben. Mindestens 1,2 Millionen Kinder gaben an, dass ihre Bilder zu sexuell expliziten Deepfakes manipuliert wurden.

Arbeitsplatzverlust und wirtschaftliche Folgen

Nach der Einführung von ChatGPT im Herbst 2022 stieg die Zahl der Stellensuchenden in stark KI-exponierten Berufen um 27 Prozent stärker als in wenig exponierten Berufen. Besonders betroffen sind Anwendungsprogrammierer, Journalisten und Fachkräfte in Marketing. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert bis 2027 den Wegfall von 83 Millionen Arbeitsplätzen weltweit.

Hoher Energieverbrauch und Umweltbelastung

Der Stromverbrauch von KI-Rechenzentren wird sich bis 2030 etwa verdoppeln und könnte knapp 3 Prozent des globalen Stromverbrauchs ausmachen. ChatGPT benötigt 500 Milliliter Wasser für einen einfachen Dialog mit 20 bis 50 Fragen. Die CO2-Emissionen werden von 29 Millionen Tonnen im Jahr 2023 auf 166 Millionen Tonnen im Jahr 2030 steigen.

Fehlende Kontrolle und Transparenz

Viele KI-Systeme funktionieren als „Black Boxes“. OpenAI musste eingestehen, dass das Unternehmen keine Kontrolle darüber hat, wie das Pentagon ihre KI-Technologie tatsächlich einsetzt. Ohne ausreichende Vorsicht könnten wir unwiederbringlich die Kontrolle über autonome KI-Systeme verlieren.

Fazit: Verantwortungsvoller Umgang mit KI

KI prägt unseren Alltag bereits heute auf vielfältige Weise, oft ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Während die Technologie enorme Chancen bietet – von Zeitersparnis bis hin zu besseren medizinischen Diagnosen – dürfen wir die Risiken nicht ignorieren. Datenschutz, Diskriminierung und Umweltbelastung erfordern unsere Aufmerksamkeit. Bevor du KI-Tools nutzt, solltest du dich mit den Grundlagen vertraut machen und bewusst entscheiden, wo du die Technologie einsetzt und wo nicht.

FAQs

Q1. Was versteht man unter künstlicher Intelligenz? Künstliche Intelligenz bezeichnet Informationssysteme, die kognitive Fähigkeiten des Menschen wie Lernen, Wahrnehmung und Kreativität nachahmen. Im Gegensatz zu normalen Computerprogrammen arbeitet KI mit Mustern statt starren Anweisungen und lernt aus riesigen Datenmengen, um daraus Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen zu erstellen.

Q2. Wo nutzen wir KI im täglichen Leben? KI begegnet uns täglich in Smartphones mit Echtzeit-Übersetzungen und Foto-Assistenten, in Smart-Home-Geräten wie Sprachassistenten, bei Streamingdiensten wie Netflix und Spotify für personalisierte Empfehlungen, in der Medizin zur Analyse von Röntgenbildern sowie im Beruf zur Automatisierung von Routineaufgaben.

Q3. Welche Vorteile bringt KI für den Alltag? KI bietet erhebliche Zeitersparnis durch Automatisierung wiederkehrender Aufgaben, ermöglicht bessere Entscheidungen durch Datenanalyse, erhöht die Sicherheit im Strassenverkehr durch autonome Fahrsysteme, liefert personalisierte Empfehlungen und unterstützt in der Gesundheitsversorgung bei Diagnosen und Pflege.

Q4. Welche Gefahren birgt der Einsatz von KI? Zu den Hauptrisiken zählen Datenschutzprobleme durch Speicherung persönlicher Informationen, Diskriminierung durch vorurteilsbehaftete Algorithmen, Manipulation durch Deepfakes, möglicher Arbeitsplatzverlust in bestimmten Berufen, hoher Energieverbrauch mit Umweltbelastung sowie fehlende Transparenz bei der Funktionsweise vieler KI-Systeme.

Q5. Was ist der Unterschied zwischen schwacher und starker KI? Schwache KI konzentriert sich auf eine bestimmte Aufgabe, für die sie trainiert wurde, wie beispielsweise Sprachmodelle zur Textproduktion. Starke KI hingegen könnte theoretisch alle kognitiven Fähigkeiten des Menschen nachahmen und neuartig denken. Diese Form der KI existiert bisher nicht und es ist unklar, ob sie jemals realisiert werden kann.

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