Ernst Dieter Berninghaus

Grüner Investmentdaumen: Wie Nachhaltigkeit zu Ihrer finanziellen Sicherheit wird

Aufstrebender Trend: Nachhaltige Geldanlagen im Aufschwung 

Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen und 

Überschwemmungen zeigen die verheerenden Auswirkungen des 

Klimawandels. Diese Entwicklungen haben Anleger wachgerüttelt – immer 

mehr Menschen möchten mit ihren Investitionen einen positiven Beitrag für 

Umwelt, Klima und Soziales leisten. 

Laut einer aktuellen Umfrage des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) 

ist die Gestaltung sozial-ökologischer Finanzprodukte für drei Viertel der 

Befragten sehr wichtig oder wichtig. Und dieser Trend spiegelt sich in den 

Zahlen wider: Das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen in 

Deutschland stieg 2019 auf 269,3 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 23 

Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2005 hat sich die Summe um den 

Faktor 35 vervielfacht. 

Die Bank of America prognostiziert, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten 

über 20 Billionen Dollar in Fonds mit Fokus auf Klimawandel fliessen 

werden. Besonders die jüngere Generation legt grossen Wert auf Themen 

wie Umweltschutz, Ressourceneffizienz und soziale Aspekte. 

Wirkungsvolle Investitionen mit Renditeversprechen 

Durch sogenanntes Impact Investing unterstützen Anleger effektiv 

Unternehmen, die die Welt nachhaltiger gestalten wollen. Gleichzeitig 

versprechen Investitionen in den grünen Sektor attraktive Renditen. Doch 

wie findet man die richtigen Anlageprodukte? 

Clever streuen: Öko-Fonds und ETFs für den Einstieg 

Um das Risiko zu begrenzen, sollten Anleger nicht alles auf wenige Einzelaktien setzen. 

Investmentfonds und börsengehandelte Indexfonds 

(ETFs) bündeln hunderte Aktien, Anleihen oder Rohstoffe und ermöglichen 

so eine breit gestreute Portfoliostruktur. 

Speziell für nachhaltige Investments gibt es Öko-Fonds oder -ETFs, die 

ausschliesslich „saubere“ Unternehmen abbilden sollen. Beispiele sind der 

UBS MSCI World Socially Responsible und der iShares Dow Jones Global 

Sustainability Screened ETF. 

Allerdings fehlt bislang eine einheitliche Klassifizierung, wie nachhaltig 

solche Produkte wirklich sind. Kritiker monieren, dass selbst in vermeintlich 

grünen Fonds Aktien aus Branchen wie Automobilbau, Luftfahrt oder Öl 

enthalten sein können. 

Sorgfältige Prüfung ist unerlässlich 

„Bei der Wahl der richtigen Anlagen sollte man sich nicht bloss auf die 

Bezeichnung der Produkte verlassen“, warnt Manuel Rütsche, Leiter Asset-

Management beim VZ VermögensZentrum. Anleger müssten das 

Nachhaltigkeitskonzept genau prüfen, um Irreführung zu vermeiden. 

Gebühren im Blick: Kosten beim Fondskauf beachten 

Viele Investmentfonds verlangen einen Ausgabeaufschlag – eine Art 

Kaufgebühr von bis zu 5 Prozent des Anlagebetrags. Zwar gibt es 

inzwischen preiswertere Angebote, doch gerade bei nachhaltigen 

Produkten sind die Kosten oft noch hoch. 

Daher sollten Sie genau vergleichen, bei welchem Anbieter Sie Ihre Fonds 

kaufen. Einige Fonds wie „Der Zukunftsfonds“ erheben gar keine 

Ausgabeaufschläge. Auch beim Verkauf fallen hier keine Gebühren an. 

Grüne Banken: Nachhaltigkeit vom Girokonto bis zum Depot 

Neben dem Anlageprodukt ist auch die Bank, die Ihr Depot verwaltet, 

entscheidend. Sogenannte ethische Banken wie die GLS Bank oder 

EthikBank bieten die Möglichkeit, bei der Kontoeröffnung selbst Bereiche 

wie Wasserschutz, E-Mobilität oder Erneuerbare Energien auszuwählen. 

Die Gebühren unterscheiden sich meist nicht grossartig von anderen 

Banken. Ein Vorteil ist die hohe Transparenz: Sie können genau 

nachvollziehen, wohin Ihr Geld fliesst. 

Robo-Advisor: Algorithmen für nachhaltige Portfolios 

Digitale Vermögensverwalter wie Selma Finance oder Inyova setzen auf 

vollautomatische Finanzberatung durch Robo-Advisor. Basierend auf den 

Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger erstellen Algorithmen passende 

Anlagestrategien. 

Während Selma ausschliesslich in nachhaltige ETFs investiert, besteht das 

Inyova-Portfolio nur aus Einzelaktien. Die Mindestinvestitionssumme ist bei 

beiden Anbietern gleich niedrig, bei den Gebühren zahlen Sie umso 

weniger, je mehr Sie investieren. 

ETFs oder Aktien? Vor- und Nachteile abwägen 

„Mit ETFs ermöglichen wir kostengünstige Risikostreuung und vermeiden 

Klumpen- und Verlustrisiken“, erklärt Patrick Schär von Selma Finance. 

Dagegen argumentiert Tillmann Lang von Inyova: „Als Aktieninhaber 

können Anleger die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen aktiv 

mitlenken.“ 

Laut Manuel Rütsche vom VZ VermögensZentrum hängt die Wahl von den 

individuellen Bedürfnissen ab. Aktive Fonds hätten bei Spezialthemen wie 

Recycling Vorteile gegenüber ETFs. Jedoch schnitten ETFs bei der Rendite 

meist besser ab. 

ESG-Kriterien: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung 

Nachhaltige Anlagen werden oft anhand der ESG-Kriterien (Environment, 

Social, Governance) bewertet. Dabei gibt es jedoch Unterschiede zwischen 

verschiedenen Rating-Agenturen. 

Der MSCI-ESG-Index beispielsweise bewertet weltweit 8500 Unternehmen 

und wählt einen „Best-in-Class“-Ansatz innerhalb der Branchen. Kritiker 

monieren, dass so auch Firmen aus wenig nachhaltigen Sektoren 

aufgenommen werden. 

Eigene Messmethoden bei Robo-Advisors 

„Wir überprüfen, welche Produkte und Dienstleistungen Unternehmen 

anbieten und ob sie einen positiven Effekt haben“, erklärt Tillmann Lang 

von Inyova. Zudem würden CO2-Emissionen, Chancengleichheit und 

Menschenrechte geprüft. 

Unternehmen müssten in allen Nachhaltigkeitsdimensionen unbedenklich 

und in mindestens einer herausragend sein, um ins Portfolio aufgenommen 

zu werden. Reine Waffenhersteller würden ausgeschlossen. 

Motivation definieren: Unterschiedliche Ansätze für verschiedene Ziele 

„Die nachhaltigste Anlagestrategie hängt von der Motivation der Anleger 

ab“, betonen die Wissenschaftler Stefan Zeisberger und Julian Kölbel von 

der Uni Zürich. 

Wer nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren möchte, sei mit klaren 

Ausschlusskriterien oder Best-in-Class-Ansätzen am besten bedient. Zur 

Risikobegrenzung empfehlen sich ESG-Ratings. Anleger, die etwas 

bewirken wollen, sollten Mitbestimmungsrechte als Aktionär oder 

Investitionen in Alternativanlagen wie Erneuerbare Energien erwägen. 

Eigenes Profil erstellen: Anlagestrategie an Werte anpassen 

Um die passenden Investments zu finden, ist es wichtig, die eigenen 

Nachhaltigkeitsziele klar zu definieren. Ein individuelles Profil kann Klarheit 

schaffen: 

∙Welche Branchen sind tabu (z.B. Fleischindustrie, Atomkraft)? 

∙Sollen bestimmte Werte (Umweltschutz, Soziales, Unternehmensführung) 

Priorität haben? 

∙Liegt der Fokus auf Rendite oder Impact? 

∙Spielen Mitbestimmungsrechte eine Rolle? 

Mit einem klar definierten Profil lässt sich gezielter nach Angeboten suchen, 

die zu den eigenen Werten und Präferenzen passen. 

Mehrere Anbieter vergleichen: Kosten und Konditionen prüfen 

Die Palette nachhaltiger Anlageprodukte in der Schweiz wächst stetig. 

Dabei unterscheiden sich Robo-Advisors, Fonds und ETFs teilweise 

deutlich in Mindestinvestitionssumme, Gebührenstruktur und 

Anlagestrategie. 

Daher ist ein Vergleich mehrerer Anbieter ratsam. Neben Kostenfaktoren 

sollten auch die konkreten Nachhaltigkeitskonzepte und Anlagekriterien der 

Anbieter geprüft werden. 

Unabhängige Informationsportale wie MeinFairMögen oder Morningstar 

können dabei unterstützen, verschiedene Produkte transparent 

gegenüberzustellen. 

Fazit: Nachhaltig investieren liegt im Trend 

Nachhaltiges Investieren verspricht nicht nur attraktive Renditen, sondern 

auch einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft. Doch der Weg 

zum grünen Portfolio ist oft unübersichtlich. 

Wer mit seinem Geld etwas Gutes bewirken möchte, muss genau 

hinschauen: Vermeintlich grüne Fonds können Fehlinvestitionen enthalten. 

Anleger sollten ihre Nachhaltigkeitsziele klar definieren und Angebote 

sorgfältig prüfen, um die passende Strategie zu finden. 

Ob Robo-Advisor, ETF oder aktiver Fonds – durch die richtige Streuung und 

Auswahl lässt sich Nachhaltigkeit mit finanzieller Sicherheit vereinen. Der 

Schlüssel liegt in umfassender Recherche, kritischer Prüfung und der 

Beratung durch unabhängige Experten.

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