
Aufstrebender Trend: Nachhaltige Geldanlagen im Aufschwung
Extreme Wetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen und
Überschwemmungen zeigen die verheerenden Auswirkungen des
Klimawandels. Diese Entwicklungen haben Anleger wachgerüttelt – immer
mehr Menschen möchten mit ihren Investitionen einen positiven Beitrag für
Umwelt, Klima und Soziales leisten.
Laut einer aktuellen Umfrage des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG)
ist die Gestaltung sozial-ökologischer Finanzprodukte für drei Viertel der
Befragten sehr wichtig oder wichtig. Und dieser Trend spiegelt sich in den
Zahlen wider: Das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen in
Deutschland stieg 2019 auf 269,3 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 23
Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2005 hat sich die Summe um den
Faktor 35 vervielfacht.
Die Bank of America prognostiziert, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten
über 20 Billionen Dollar in Fonds mit Fokus auf Klimawandel fliessen
werden. Besonders die jüngere Generation legt grossen Wert auf Themen
wie Umweltschutz, Ressourceneffizienz und soziale Aspekte.
Wirkungsvolle Investitionen mit Renditeversprechen
Durch sogenanntes Impact Investing unterstützen Anleger effektiv
Unternehmen, die die Welt nachhaltiger gestalten wollen. Gleichzeitig
versprechen Investitionen in den grünen Sektor attraktive Renditen. Doch
wie findet man die richtigen Anlageprodukte?
Clever streuen: Öko-Fonds und ETFs für den Einstieg
Um das Risiko zu begrenzen, sollten Anleger nicht alles auf wenige Einzelaktien setzen.
Investmentfonds und börsengehandelte Indexfonds
(ETFs) bündeln hunderte Aktien, Anleihen oder Rohstoffe und ermöglichen
so eine breit gestreute Portfoliostruktur.
Speziell für nachhaltige Investments gibt es Öko-Fonds oder -ETFs, die
ausschliesslich „saubere“ Unternehmen abbilden sollen. Beispiele sind der
UBS MSCI World Socially Responsible und der iShares Dow Jones Global
Sustainability Screened ETF.
Allerdings fehlt bislang eine einheitliche Klassifizierung, wie nachhaltig
solche Produkte wirklich sind. Kritiker monieren, dass selbst in vermeintlich
grünen Fonds Aktien aus Branchen wie Automobilbau, Luftfahrt oder Öl
enthalten sein können.

Sorgfältige Prüfung ist unerlässlich
„Bei der Wahl der richtigen Anlagen sollte man sich nicht bloss auf die
Bezeichnung der Produkte verlassen“, warnt Manuel Rütsche, Leiter Asset-
Management beim VZ VermögensZentrum. Anleger müssten das
Nachhaltigkeitskonzept genau prüfen, um Irreführung zu vermeiden.
Gebühren im Blick: Kosten beim Fondskauf beachten
Viele Investmentfonds verlangen einen Ausgabeaufschlag – eine Art
Kaufgebühr von bis zu 5 Prozent des Anlagebetrags. Zwar gibt es
inzwischen preiswertere Angebote, doch gerade bei nachhaltigen
Produkten sind die Kosten oft noch hoch.
Daher sollten Sie genau vergleichen, bei welchem Anbieter Sie Ihre Fonds
kaufen. Einige Fonds wie „Der Zukunftsfonds“ erheben gar keine
Ausgabeaufschläge. Auch beim Verkauf fallen hier keine Gebühren an.
Grüne Banken: Nachhaltigkeit vom Girokonto bis zum Depot
Neben dem Anlageprodukt ist auch die Bank, die Ihr Depot verwaltet,
entscheidend. Sogenannte ethische Banken wie die GLS Bank oder
EthikBank bieten die Möglichkeit, bei der Kontoeröffnung selbst Bereiche
wie Wasserschutz, E-Mobilität oder Erneuerbare Energien auszuwählen.
Die Gebühren unterscheiden sich meist nicht grossartig von anderen
Banken. Ein Vorteil ist die hohe Transparenz: Sie können genau
nachvollziehen, wohin Ihr Geld fliesst.
Robo-Advisor: Algorithmen für nachhaltige Portfolios
Digitale Vermögensverwalter wie Selma Finance oder Inyova setzen auf
vollautomatische Finanzberatung durch Robo-Advisor. Basierend auf den
Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger erstellen Algorithmen passende
Anlagestrategien.
Während Selma ausschliesslich in nachhaltige ETFs investiert, besteht das
Inyova-Portfolio nur aus Einzelaktien. Die Mindestinvestitionssumme ist bei
beiden Anbietern gleich niedrig, bei den Gebühren zahlen Sie umso
weniger, je mehr Sie investieren.
ETFs oder Aktien? Vor- und Nachteile abwägen
„Mit ETFs ermöglichen wir kostengünstige Risikostreuung und vermeiden
Klumpen- und Verlustrisiken“, erklärt Patrick Schär von Selma Finance.
Dagegen argumentiert Tillmann Lang von Inyova: „Als Aktieninhaber
können Anleger die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen aktiv
mitlenken.“
Laut Manuel Rütsche vom VZ VermögensZentrum hängt die Wahl von den
individuellen Bedürfnissen ab. Aktive Fonds hätten bei Spezialthemen wie
Recycling Vorteile gegenüber ETFs. Jedoch schnitten ETFs bei der Rendite
meist besser ab.

ESG-Kriterien: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung
Nachhaltige Anlagen werden oft anhand der ESG-Kriterien (Environment,
Social, Governance) bewertet. Dabei gibt es jedoch Unterschiede zwischen
verschiedenen Rating-Agenturen.
Der MSCI-ESG-Index beispielsweise bewertet weltweit 8500 Unternehmen
und wählt einen „Best-in-Class“-Ansatz innerhalb der Branchen. Kritiker
monieren, dass so auch Firmen aus wenig nachhaltigen Sektoren
aufgenommen werden.
Eigene Messmethoden bei Robo-Advisors
„Wir überprüfen, welche Produkte und Dienstleistungen Unternehmen
anbieten und ob sie einen positiven Effekt haben“, erklärt Tillmann Lang
von Inyova. Zudem würden CO2-Emissionen, Chancengleichheit und
Menschenrechte geprüft.
Unternehmen müssten in allen Nachhaltigkeitsdimensionen unbedenklich
und in mindestens einer herausragend sein, um ins Portfolio aufgenommen
zu werden. Reine Waffenhersteller würden ausgeschlossen.
Motivation definieren: Unterschiedliche Ansätze für verschiedene Ziele
„Die nachhaltigste Anlagestrategie hängt von der Motivation der Anleger
ab“, betonen die Wissenschaftler Stefan Zeisberger und Julian Kölbel von
der Uni Zürich.
Wer nachhaltige Werte im Portfolio reflektieren möchte, sei mit klaren
Ausschlusskriterien oder Best-in-Class-Ansätzen am besten bedient. Zur
Risikobegrenzung empfehlen sich ESG-Ratings. Anleger, die etwas
bewirken wollen, sollten Mitbestimmungsrechte als Aktionär oder
Investitionen in Alternativanlagen wie Erneuerbare Energien erwägen.

Eigenes Profil erstellen: Anlagestrategie an Werte anpassen
Um die passenden Investments zu finden, ist es wichtig, die eigenen
Nachhaltigkeitsziele klar zu definieren. Ein individuelles Profil kann Klarheit
schaffen:
∙Welche Branchen sind tabu (z.B. Fleischindustrie, Atomkraft)?
∙Sollen bestimmte Werte (Umweltschutz, Soziales, Unternehmensführung)
Priorität haben?
∙Liegt der Fokus auf Rendite oder Impact?
∙Spielen Mitbestimmungsrechte eine Rolle?
Mit einem klar definierten Profil lässt sich gezielter nach Angeboten suchen,
die zu den eigenen Werten und Präferenzen passen.
Mehrere Anbieter vergleichen: Kosten und Konditionen prüfen
Die Palette nachhaltiger Anlageprodukte in der Schweiz wächst stetig.
Dabei unterscheiden sich Robo-Advisors, Fonds und ETFs teilweise
deutlich in Mindestinvestitionssumme, Gebührenstruktur und
Anlagestrategie.
Daher ist ein Vergleich mehrerer Anbieter ratsam. Neben Kostenfaktoren
sollten auch die konkreten Nachhaltigkeitskonzepte und Anlagekriterien der
Anbieter geprüft werden.
Unabhängige Informationsportale wie MeinFairMögen oder Morningstar
können dabei unterstützen, verschiedene Produkte transparent
gegenüberzustellen.
Fazit: Nachhaltig investieren liegt im Trend
Nachhaltiges Investieren verspricht nicht nur attraktive Renditen, sondern
auch einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft. Doch der Weg
zum grünen Portfolio ist oft unübersichtlich.
Wer mit seinem Geld etwas Gutes bewirken möchte, muss genau
hinschauen: Vermeintlich grüne Fonds können Fehlinvestitionen enthalten.
Anleger sollten ihre Nachhaltigkeitsziele klar definieren und Angebote
sorgfältig prüfen, um die passende Strategie zu finden.
Ob Robo-Advisor, ETF oder aktiver Fonds – durch die richtige Streuung und
Auswahl lässt sich Nachhaltigkeit mit finanzieller Sicherheit vereinen. Der
Schlüssel liegt in umfassender Recherche, kritischer Prüfung und der
Beratung durch unabhängige Experten.